Wenn Wörter wandern (2)
Der kulturwissenschaftliche Stafettenlauf ist gestartet. Marvin der Zauberer hat die Einleitung gemacht und den Staffelstab an mich weitergereicht. Welche deutschen Wörter haben den Sprung ins Ausland geschafft und sind dort heimisch geworden? Eine beachtliche Liste hat Marvin da zusammen getragen, die Messlatte hängt hoch. Darum nutze ich hier mal meine Auslandskontakte und frage bei den Leuten direkt nach: “Welche deutschen Worte verwendet ihr in eurer Sprache?”
Italien
Der Deutschen liebstes Urlaubsland Italien müsste eigentlich mit deutschen Vokabeln durchsetzt sein, zumal es via Österreich und Schweiz über eine unmittelbare Grenze mit den deutschsprachigen Landen verfügt. Weit gefehlt, meine italienischen Freunde winken ab. Es gäbe nichts. Sollte der Jahrhunderte währende Kulturaustausch nur in einer Richtung (ciao, pasta, pizza, ragazzi, capito?) stattgefunden haben? Doch dann kommen doch noch ein paar Beispiele – Lebensmittel: la Wiener Schnitzel, il wurstel (das Würstchen), lo strudel (der Apfelstrudel), i crauti (das Sauerkraut, im Italienischen übrigens ein Plural).
Halt! – ich bin noch nicht fertig. In der Umgangssprache verwendet man hin und wieder diesen deutschen Imperativ, nur wird das “H” – ebenso wie bei den Franzosen – nicht mitgesprochen: ‘alt! In manchen Regionen verwenden die Jugendlichen angeblich zur Begrüßung anstelle von “come stai?” das teutonische “alles klar?” Und ein durchsetzungstarker Fußballer oder Geschäftsmann wird auch schon mal als panzer bezeichnet.
Trentino
In der norditalienischen Provinz Trentino, die durch ihre Nähe zu Südtirol mit deutscher Kultur in Berührung gekommen ist, benutzt man laut meinen Erkundigungen das Adjektiv “steif” für strenge und wenig flexible Menschen. Geschrieben staif (dialetto trentino) ließe es sich auch mit forte oder rigido übersetzen.
Litauen
In der baltischen Republik kennt man beispielsweise die sich ähnlich klingenden Vokabeln “schlipps” und “schnaps”. Das bestätigt mich in meiner Annahme, dass einsilbige Wörter es beim Export leichter haben.
Russland
“Rucksack”, eine Vokabel, die im englischsprachigen Raum weit verbreitet ist, kennt man auch in Russland. Die mir zugetragenen Germanismen “burgermeister”, “landschaft” und “butterbrot” hingegen sind dort nicht so bekannt wie vermutet.
Ukraine
In der Nachbarrepublik der Kleinrussen ist eine angepasste Version des Verbs “spielen” in großer Mode: шпилитъ (spielietch).
Mexiko
Eine Mexikanerin erwähnt “caput”. Kopfnicken zeigt an, dass man das Wort auch in Italien und der ehemaligen Sowjetunion kennt. Warum ist ausgerechnet eine so destruktive deutsche Vokabel wie “kaputt” so weltbekannt?
New York City
Das wollte ich hier noch unterbringen. Wer den Hip-Hop der anbetungswürdigen Beastie Boys mag, der sollte mal auf die Texte achten. Zwischen all dem Nonsens gibt es auch mal eine Nonsenslektion Deutsch: “On Hornblower’s lederhosen / Like Walt Disney he is frozen” (The Grasshopper Unit vom Album “Hello Nasty”) und “Yo, what the schnitzel we’re back” (Oh Word? vom Album “To The Five Boroughs”).
~
Link-Tipp: Goethe-Institut – Ausgewanderte Wörter – Memo-Spiel

