Verkehrte Welt
„Fehlkonstruktion Mensch“ lautet der SPIEGEL-Titel der Woche. Im Untertitel wird diese Formulierung erläutert: „Warum wir für die moderne Welt nicht geschaffen sind“. Hmm. Irgendwie lässt sich doch kaum leugnen, dass die moderne Welt eine Konstruktion des Menschen ist. Wenn wir die beiden Dinge zusammenbringen, Mensch und Welt, und selbst wenn wir mit dem SPIEGEL darin übereinstimmen, dass sie nicht zueinander passen, dann ist immer noch der Mensch der Konstrukteur und die moderne Welt die Fehlkonstruktion. Die plakative Aussage des Nachrichtenmagazins ist also auf alle Fälle verkehrt, spiegelverkehrt.
Damit ist sie aber sehr zeitgemäß. Sie passt bestens zur Aussage, die der kollektive Wähler am Sonntag getroffen hat. Der wollte mit deutlicher Mehrheit, dass die Finanzwelt stärker reguliert wird. Er wollte generell eine Stärkung der ausgleichenden Rolle des Staates in der Wirtschaft. Er reagierte positiver als erwartet auf staatliche Kaufanreize wie die Abwrackprämie. Er wollte am Ausstieg aus der Atomenergie festhalten und lehnte die Verlängerung der Laufzeit von AKWs ab. Er wollte eine wenigstens halbwegs soziale, die Gesellschaft nicht spaltende Medizin. Er befürwortete einen raschen Abzug aus Afghanistan.
Das alles bekommt er nun auch – spiegelverkehrt. Auch das ist aber nicht über ihn verhängtes Schicksal, sondern seine eigene, in demokratischer Wahl klar getroffene Aussage. Auf ihr wird eine neue Konstruktion beruhen. In dieser haben wir uns alle zurechtzufinden, so wie in der modernen Welt. Wer eine andere will, muss konstruktiv etwas dafür tun,
meint Glossix.
Bild: Backkratze

