Ungleicher Wettbewerb
Na, so kann das ja nichts werden! Bei uns müssen Politiker/innen zurücktreten, wenn sie Friseurrechnungen bei ihrer Partei als Werbungskosten vorlegen, ein Kanzler klagt, weil man ihm die Verwendung von Haarfärbemitteln nachsagt usw. usf. Wie soll da die Kosmetik-Branche auf die Beine kommen?
Derweil rechnen bei unseren westlichen Nachbarn gleich zwei Präsidentschaftskandidaten, ohne mit der aufwändig gerimmelten Wimper zu zucken, schon mal ein paar Zehntausender für Schminke ab. Seien wir präziser: 34.445 Euro waren das im Fall von Sarkozy, an die 52.000 bei Ségolène Royal. Was Mme Ségo für ihr sozialistisches outfit ausgegeben haben mag, entzieht sich unserer Kenntnis, es müsste eigentlich ein Vielfaches der erwähnten Summen gewesen sein. Dazu kommt nun ein Staatspräsident, der gleich serienweise Models mit engsten Beziehungen zur Modebranche – Cécilia und Prada waren fast Synonyme – ins Rampenlicht der Weltöffentlichkeit rückt. Mit solchem product placement durch Spitzenpolitiker im Rücken ist es kein Kunststück, mit L’Oréal den weltweit größten Parfum-Hersteller im Lande und generell auf dem Felde des Luxus und der Moden die Nase vorn zu haben.
Es wird höchste Zeit, dass sich die EU-Wettbewerbskommissarin dieser Angelegenheit annimmt. Solange Begriffe wie Brioni-Kanzler hierzulande als Schimpfwörter gelten und unsere Politiker sich so naturbelassen der Öffentlichkeit präsentieren wie etwa Kurt Beck oder Roland Koch das tun, solange ist von grober Wettbewerbsverzerrung auszugehen. Bei so viel struktureller Ungleichheit sind Kompensationszahlungen angesagt. Eigentlich müsste unsere Kanzlerin in dieser Sache in Brüssel vorstellig werden. Aber das können wir uns wohl abschminken …
… fürchtet Glossix.

