Deutschlandpuls

So steht's um Deutschland.

Meseberger Bach-Forelle

Schloß Meseberg

Angesichts der Koalitionsklausur im brandenburgischen Meseberg hat sich unser Sterne-Koch für das Abschlussessen ein besonderes Menu ausgedacht. Sein voller Name:

Bach-Forelle à la Merkel, in der Westerwelle zubereitet, an Meseberger Röllchen.

Die Forelle wird zuerst behutsam bestäubt mit wundertätigen Kräutchen aus dem Garten der Hildegard von Bingen. Darauf gibt man eine kleine Menge polnischen Bigos‘, direkt aus Warschau. Der Fisch wird dann im Ganzen in Alu-Folie eingewickelt und bei niedriger Temperatur in die Westerwelle gegeben. Dort bleibt er während der gesamten Dauer der Tagung. Kurz vor deren Ende wird einige Minuten lang auf Höchsttemperatur geschaltet.

Vorsicht beim Entnehmen aus der Westerwelle: Man könnte sich leicht die Finger verbrennen. Ob man Steinbach-Forelle bekommt oder aber eine Nachwuchs-Zuchtforelle aus dem Vertriebenen-Pool, hängt – wie in jeder guten Küche – vom Markt-Angebot des Tages ab.

Einige Tropfen Gesundheitsfonds können das Gericht wohltuend abrunden, doch ist das erfahrungsgemäß nicht nach jedermanns Geschmack. Also bitte separat servieren, zumal bereits die Beilage ausgesprochen gesundheitszuträglich ausfallen wird.

Dazu reicht man Meseberger Röllchen. Auch diese sind denkbar einfach zuzubereiten. Man nehme ein Quäntchen schwarzrote Gesundheitspaste, verrühre diese mit gelbem Steuersenkungspfeffer und einer Dosis Safran, verdünne das Ganze mit sehr viel Wasser und lasse es dann ein wenig eindampfen. Am Schluss wird die etwas zähe Masse von der Chefköchin Angela und ihrem Assistenten unterschiedlich abgeschmeckt: Mehr Safran gibt es für die Gault-et-Millau- und Michelin-Orientierten, mehr Paste für die Freunde der Volks(parteien)küche. Nach hauchdünnem Ausrollen des Teigs forme man kleine Röllchen. So sieht alles gleich „nach mehr“ aus.

Als Getränk eignet sich vollmundiger 2009er „Pro Domo“: flach im Gaumen, ohne störend ausgeprägten Charakter – und ausgesprochen günstig, insbesondere wenn bei Tische zur Entlastung der kleinen und mittleren Einkommen eine Steuersenkung für Wein, Cognac, Luxus-Autos sowie eine Senkung des Spitzensteuersatzes verabredet wurde.

Zum öffentlich präsentierten Nachtisch gibt es größere Mengen Allgemeinplätzchen, die mit einer gehörigen Portion Verbalsahne geziert werden.

Satt wird von dem Ganzen keiner werden, aber es sieht ganz hübsch aus.

P.S.  Unser Rezeptvorschlag war bereits fertig, als sich auf dem Markt herausstellte, dass Forellen nicht auf der Tagesordnung stehen, Stein-Bachforellen schon gar nicht. Es heißt also kurzfristig umdisponieren.

Wir schlagen nunmehr als Hauptgang Märkischen Schmalhans vor, ein Gericht, das dem Kalorienverringerungsprogramm der Nouvelle Cuisine néolibérale in besonders trendiger Weise  entspricht. Wenn das öfter auf den Tisch kommt, wird der schlanke Staat bald Wirklichkeit.

In schwarz gebratene Magermargarine gibt man bei gut mittlerer Temperatur pro Person 100g Brennnesseln, verrührt das Ganze nach einer Minute mit fettarmer Sahne (0,1 Prozent), gibt nach kurzem Aufkochen noch etwas Wasser hinzu. Als nächstes folgen 100g Huflattich (pro Person, versteht sich) aus eigener Ernte und schließlich die gleiche Menge Beifuß, direkt vom Bahndamm. Abgeschmeckt wird das Ganze mit Salz, schwarzem oder weißem (jedenfalls nicht rotem oder grünem) Pfeffer und – die Forelle lässt grüßen! – G-Fonds.

Wohl bekomm’s. – Das Forellen-Rezept wird bei passender Gelegenheit wieder aufgegriffen und ggf. den Marktbedingungen angepasst.

Bild: Wikipedia

Reblog this post [with Zemanta]

verwandte Artikel

Tagged as: , , , , , , , , ,

Kommentar hinterlassen

Please note: comment moderation is enabled and may delay your comment. There is no need to resubmit your comment.