Deutschlandpuls

So steht's um Deutschland.

Leitartikel: Alles Gute zum Siebzehnten!

“Hallo, guten Morgen Deutschland,
ich wünsch dir einen guten Tag!”
(Tom Astor)

wichtiger als deutschland.

Die Deutschen hatten es immer schon mit der 17. Ihre Schlager verraten es. Unser Elvis der Wirtschaftwunderjahre, Peter Kraus, schwärmte seinerzeit “Mit 17″. Ein anderes Petermännchen, Peter Maffay, zog etwas später nach und übernahm den selben Titel für eine Eigenkomposition: “Mit 17″. Ivo Robic komplettierte diese vage Andeutung durch seinen Megaschlager “Mit 17 fängt das Leben erst an”. Bei Udo Jürgens fing das Leben ja bekanntlich erst mit 66 Jahren an, doch auch er tagträumte einst “17 Jahr, blondes Haar”. Falco fasste sich kürzer und titelte lediglich: “17 Jahr”. Zum Ende hin warnten (oder trösteten, wer weiß das schon) Chris Roberts oder wahlweise auch Chris Marlow: “Du kannst nicht immer 17 sein”.

Heute, am 3. Oktober, feiert die Berliner Republik ihren 17. Geburtstag. Nächstes Jahr geht’s in die Volljährigkeit. Wie sich das für einen Geburtstag ziemt, gratulieren wir an dieser Stelle ganz herzlich, doch bei bloßen Lippenbekenntnissen soll es nicht bleiben. Wir machen dem vereinigten, aber noch nicht völlig vereinten Deutschland ein Geschenk: den Deutschlandpuls.

Hier wird eine Nation beobachtet, zu deren Identität es gehört, sich nicht als Nation zu begreifen oder sich zumindest kritisch mit ihrer vielfach gespaltenen nationalen Identität auseinanderzusetzen. Dieses Land ist keineswegs nur in “alte” und “neue” Länder, in Ost und West, geteilt, sondern kennt durchaus auch einen Nord-Süd-Gegensatz. Sechzehn Kultusminister, das bedeutet ebenso viele unterschiedliche Schulsysteme und Lehrpläne! Fast jedes Bundesland leistet sich sein eigenes Verfassungsgericht. Das führt dazu, dass sogar ein den gesamten deutschen Sprachraum umfassendes Einheitsprojekt wie die Rechtschreibreform von eben diesen Gerichten regional in Frage gestellt werden kann. Und selbst auf Länderebene sind Binnengegensätze zu beobachten: Badenser/Schwaben, Bayern/Franken, Berliner/Sachsen usw. Dazu kommt noch der Gegensatz zwischen ewig gestrigen Nationalisten (“Deutschland den Deutschen!”) und sich fortschrittlich dünkenden Autoaggressiven (“Deutschland muss sterben, damit wir leben können.”). Angesichts dieser immer wieder drohenden Ausschläge ins Extreme und extrem Beunruhigende halten wir es für angemessen, Deutschland regelmäßig den Puls zu fühlen.

Das Land ist jedoch keine Insel, verloren im Weltmeer, sondern geografisch, wirtschaftlich und politisch auf vielfältige Art mit anderen Ländern und Kulturen verflochten. Es versteht sich daher von selbst, dass der Deutschlandpuls keine Nabelschau betreiben kann und will, sondern Deutschland immer als Teil der einen, globalisierten Welt versteht. Wir wünschen diesem unserem Lande, dass es seine geringe Begabung zur monolithischen Identität auch als Chance begreift: als Chance, sich zu öffnen für andere, Fremde, und für anderes, Neues. Vor allem soll sein Puls stets in europakompatibler Frequenz schlagen. Wenn wir Deutschland den Puls fühlen, so bedeutet das: Wir erstellen für den föderativen Staat im Herzen Europas ein fortlaufendes Bulletin zu Wirtschaft und Kultur, Politik und Sprache, Kunst und Geschichte. Dabei kommt es uns stets auf das jeweils Signifikative an, abseits von bloßer Tagesaktualität und politischen Gruppenfehden.

Manch ein Befund wird problematisch ausfallen. Doch was nützt in einem solchen Fall eine Diagnose ohne Therapie? Worin könnte diese bestehen? Wir erheben nicht den Anspruch, selbst Patentrezepte zu liefern. Die gegebenenfalls erforderliche heilsame Antwort kann nur in einer Art kollektiver Selbsttherapie bestehen, im (möglichst) herrschaftsfreien Austausch von Informationen, Erfahrungen, Meinungen. Dafür soll dieser Blog eine Plattform bieten. Dazu gibt es zum einen die für Blogs selbstverständliche Kommentar-Funktion bei jedem einzelnen Artikel. Zum anderen aber ist jeder herzlich zur Teilnahme als gelegentlicher oder regelmäßiger Autor eingeladen, der sich mit unserem offenen Konzept anfreunden kann.

Wir hoffen auf viele Beiträge von Autoren jeglicher Nationalität aus dem Inland, aber auch von Menschen, die von außen auf Deutschland blicken. Fremdsprachige Beiträge werden wir möglichst im Original und in deutschsprachiger Zusammenfassung wiedergeben (derzeit nur möglich für Englisch, Französisch, Italienisch, Polnisch, Portugiesisch, Spanisch und Schwedisch). Auch das Leben von Deutschen, der deutschen Sprache und Kultur im Ausland soll hier zur Sprache kommen. Perspektivenvielfalt soll den Puls beleben und zugleich für Ausgleich sorgen. Wir laden jedenfalls ein zum Mitmachen unter: mitmachen [ät] deutschlandpuls.de.

Uns bleibt nun ein ganzes Jahr, der Berliner Republik entweder beim Erwachsenwerden zuzuschauen oder aber auf dem Weg in die Volljährigkeit tatkräftig zur Seite zu stehen. In der Startwoche gibt es auf deutschlandpuls.de jeden Tag einen neuen Artikel, der jeweils eine neue Rubrik eröffnet. Alles Weitere hängt vom Echo ab, auf das wir stoßen. Man darf gespannt bleiben.

Text: Walther Fekl & Alexander Fromm

Die Artikelwürfelmaschine

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1 Kommentar

  1. Na da bin ich aber gespannt. Viel Erfolg!

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