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Gans anders / Kaczka z grzybami. – Ein Beitrag zur diplomatischen Küche

Guido Westerwelle stellt mich als (politischen) Koch immer wieder vor ungeahnte Probleme.  Statt der Weihnachtsgans, die an dieser Stelle stehen sollte, hat er von Pan Kaczynski aus Warschau eine Barbarie-Flucht-Ente bekommen, die mit höchstem politischen Fingerspitzengefühl zubereitet sein will. Da müssen der deutsche und der polnische Gaumen zugleich zufriedengestellt werden und der schlesische Geschmack will obendrein berücksichtigt werden. Keine leichte Aufgabe.

Vorab bedarf das Entengeschenk einer Erläuterung. Es ist ein ungewohntes Zeichen für die Fähigkeit des Staatspräsidenten zur Selbstironie. Dass er diese gegenüber einem deutschen Politiker an den Tag legt, darf als erster stolzer Erfolg unseres außenpolitischen Grünschnabels gefeiert werden. Die Ente bzw. der Enterich heißt nämlich auf Polnisch kaczor (fem. kaczka), und bei den Kaczynskis denkt daher jeder Pole gleich an Ente. Als der eine der beiden Zwillingsbrüder das Amt des Ministerpräsidenten aufgeben musste, war es zwar vorbei mit dem einentigen Zwillingsgespann, aber man blieb bei der gleichen Geflügelsorte. Der neue Ministerpräsident Tusk hört nämlich auf den Vornamen Donald. Das ist keine Ente, bzw. es ist natürlich schon eine. Na, Sie verstehen mich schon.

Die Wahl der Entensorte – Barbarie-Fluchtente eben – lässt wiederum die besondere kulinarisch-politische Sensibilität Polens erkennen. Man sagt es mit Geflügel-Worten. Und man sagt wahrlich Gewichtiges! Man äußert nicht zuletzt einen nachdrücklichen Wunsch, erteilt fast schon einen Auftrag: Über die Weihnachtstage muss die leidige Flucht-Ente vom Tisch, und zwar in bekömmlicher Weise. Sie muss allen schmackhaft gemacht werden. Weihnachtszeit – Versöhnungszeit.

Wir reiben die bereits gesalzene und schwarz gepfefferte Ente ein mit wertvollstem Rapsöl, gewonnen aus den gelbsten aller Rapssorten. In unserem Fall wurde das Öl allerdings vorher mit Sojasoße, Jasminhonig, schwarzem Pfeffer und Salbei (wichtig für die salbungsvolle Rednerstimme) sorgfältig abgeschmeckt.

Die Füllung bereiten wir aus altbackenen Brötchen, noch von Bäcker Möllemann, die man anders kaum mehr verwenden kann, und verschiedenen Pilzsorten (unter Ausschluss von Rotkoppen) zu. Der möglichst hohe Pilzanteil darf als Verbeugung vor der polnischen Küche betrachtet werden, die gerne mit diesem Element arbeitet. Aus diesem Grund trägt unsere „Gans, anders“ eben auch einen polnischen Namen, in Übersetzung: „Ente mit Pilzen“.

Die gefüllte Ente kommt in den mit 180 Grad vorgeheizten Ofen, direkt auf den Grill. Unter selbichten stellen wir, zum Abtropfen des Fetts, eine mit ca. ½ Liter Wasser gefüllte Pfanne. Während des Bratens – ca. 2 Stunden – wird die Ente immer wieder mit der Rapsölmischung – an Weihnachten kommt natürlich nur natives Öl in Frage – bestrichen, mindestens genauso oft wird sie vorsichtig mit Wasser übergossen. Zum einen wird ohnehin immer mit Wasser gekocht, zum anderen muss in Krisenzeiten demonstrativ Sparsamkeit praktiziert werden.

Als Beilage zu unserer Enten-Gans kommt nichts anderes in Frage als schlesische Knödel. Wir wollen ja aus der Flucht-Ente ein Versöhnungsessen zaubern. Für das Knödel-Rezept verweise ich auf gängige Kochbücher. Schließlich ist es Teil meiner Aufgabe, auf dem deutschen Kochbuch-Markt konjunkturpolitisch anregend zu wirken.

Als Getränk wählen wir aus außenpolitischen Gründen französischen Rotwein, 2006er Château Sarko. Es geht um Versöhnung, und da steht nun mal das deutsch-französische Verhältnis Pate für das, was in den deutsch-polnischen Beziehungen angestrebt wird. Bei polnischem Geflügel und französischem Rotwein sind wir seit jeher am ehesten geneigt, unseren Nachbarn zu verzeihen, was wir ihnen angetan haben.

Versöhnliche, friedliche, fröhliche Weihnachtsfeiertage wünscht Ihnen

Ihr Roberto Koch

P.S. Sollten Sie aus Tradition an der Weihnachtsgans festhalten wollen, was auch meine ursprüngliche Absicht war, können Sie auf die „Gans, anders“ gerne zu Silvester zurückgreifen. Sie wissen ja: „Ente gut, alles gut.“

In diesem Sinne darf ich Ihnen auch schon alles Gute für ein glückliches und erfolgreiches Jahr 2010 wünschen.

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