Die fahrerlose U-Bahn – eine deutsche Innovation
Gratulation. Sie fährt. In Nürnberg heißt es jetzt fahrerlos. Mit ca. zweijähriger Verspätung startete die erste fahrerlose U-Bahn am 14. Juni 2008 ganz offiziell und ohne viel Tamtam. Der Name des Projekts wurde von dem Edelstein RUBIN abgeleitet. Er steht für „Realisierung einer automatisierten U-Bahn In Nürnberg”. 610 Millionen Euro wurden für das Projekt veranschlagt, exklusive der Kosten für die zweijährige Verspätung durch Siemens. Wenn diese Kosten nur für die Strecke der U3 (Länge 6,5 km) stehen würden, dann wären es fast 93,8 Millionen Euro je Streckenkilometer. Das liegt weit über den Streckenkosten eines Transrapid oder ICE. Beispielsweise kostete der Transrapid in China 1,2 Milliarden für 30 km. Eine Verlängerung dieser Trasse wird laut der Süddeutschen Zeitung mit 46,6 Millionen Euro je Streckenkilometer spezifiziert. In Deutschland wurden für die geplante Transpapidstrecke in München ursprünglich 1,85 Milliarden Euro für 37,4 km verplant.
Aber zum Glück wird das System ja erweitert und auf andere Linien ausgebaut. Damit werden die Investitionen stufenweise auf das Gesamtnetz verteilt und amortisieren sich, je zügiger der Ausbau voranschreitet. Denn teuer und komplex war vor allem die Entwicklung der Steuerungssoftware für den sogenannten Mixed-Mode Betrieb.
Was sich zudem sehen lassen kann, sind vor allem die Förderquoten durch Bund und Land, die sich bei
- der Streckentechnik auf 87,5 Prozent,
- dem Streckenbau auf 85 Prozent und
- den Fahrzeugen auf 50 Prozent
der Gesamtkosten belaufen. Insofern ist es vielleicht nicht verwunderlich, dass die Verkehrsbetriebe mit dem Argument der Kostenersparnis werben. Denn sie selbst finanzierten sowieso nur den geringsten Teil. Das Teuerste beim Betrieb einer Strecke ist ja das Zugpersonal. Aber wer mag dabei Böses denken? Es geht doch nicht um Rationalisierung. Schließlich sollen die „fast” arbeitslosen Fahrer jetzt die Servicequalität erhöhen. Zumindest bis zu ihrer Rente. Danach wird entweder kein oder billigeres Ersatzpersonal eingestellt.
Fahrerlose Neuentwicklung
Aber zurück zur Innovation. Fahrerlose U-Bahnen gibt es schon weltweit. Bereits 1983 entwickelte Matra, auf Grundlage einer Erfindung von Professor Robert Gabillard, das sogenannte VAL-System. Städte wie Lille, Kopenhagen, Toulouse usw. setzen schon lange automatisierte U-Bahnen ein. Die U3 in Nürnberg unterscheidet sich von den bisher eingesetzen VAL-Systemen. Programmiert und ausgerichtet ist sie auf einen sogenannten Mixed-Mode Betrieb. Das heißt “fahrerlose” (U3) und “fahrergesteuerte” U-Bahnen (U2) verkehren auf der gleichen Strecke. Möglich wird das durch das AGT-System (Automatic Guided Transit), gesteuert und überwacht in einer zentralen Service-Leitstelle. Bei hohem Fahrgastaufkommen können die Züge so bedarfsgerecht eingesetzt werden. Die überwachte Gleisanlage erlaubt im Regelbetrieb einen U-Bahntakt von 100 Sekunden. Wobei die Automatierung der U-Bahnen auch noch Energie spart. Mit Hilfe von GPC (steht für Gefahrenprofilcontroller) werden Personen auf der Gleisanlage mittels Sensoren erkannt und an das ATC-System, welches den Zug steuert, gemeldet. Dieses entscheidet, ob eine Notbremsung eingeleitet werden muss oder nicht.
Kurzum – eine echte Innovation. Schade ist nur, dass der Staat die fehlende Risikofreude von Firmen wie Siemens vergoldet. Er finanziert die Entwicklung vor und Siemens verkauft die Lösung dann weltweit, ohne Bund und Land dafür direkt zu belohnen. Der Kritiker mag einwenden, der Staat bekomme doch die Steuern und Arbeitsplätze in Deutschland. Doch reicht das wirklich? Im Sinne eines klassischen Risk-Sharings wäre es nur gerecht, wenn der Profit auch mit dem Bund geteilt würde, und zwar direkt.
Foto: Marcus Meissner
Ubersicht über U-Bahnen und ihre Technik: Wikipedia – Liste der U-Bahnen

Das nennt man doch soziale Marktwirtschaft, glaub ich. Der Bund subventioniert den Kapitalismus, damit die Firmen im rauhen Wind des Marktes nicht pleitegehen und weiterhin Steuern zahlen, die der Staat dann wieder für Subventionen verbraucht. Ein Perpetuum mobile also.
He, wer ruft da, so etwas sei nicht möglich?
Das Problem hierbei. Die Steuerverlagerung. Unternehmen lassen ihre Gewinne ja dann gern woanders anfallen. Mit dem Ergebnis, dass die Steuerzahlungen dann doch eher mau ausfallen.
Ausgerechnet in Nürnberg, der Stadt der Reichsparteitage, wird eine Führer-lose U-Bahn entwickelt! Wollen die Nürnberger damit irgendetwas kaschieren?
Sorry, klingt eher wie eine Scherzmeldung.