Deutschlandpuls

So steht’s um Deutschland.

Thomas Demands Ausstellung „Nationalgalerie“

Thomas Demand

Thomas Demand

Thomas Demand vertritt radikale ästhetische Positionen. Er tut dies aber ohne Aufgeregtheit, in aller Stille, lakonisch, als Meister der kühnen-kühlen Reduktion. Er geht oft von Pressefotos aus, historischen Aufnahmen und Tatort-Fotos, er bildet aber auch banale Ausschnitte aus der Wirklichkeit ab. Auch dies geschieht allerdings nie direkt, sondern er erstellt zuerst Papier-Modelle der real existierenden, ihm meist aber nur über fotografische Vermittlung bekannten Räume, fotografiert diese Modelle, um sie anschließend zu zerstören, und zeigt seine fotografischen Abbilder von Abbildern (von Abbildern) in extrem großen Formaten.

Menschen kommen in diesen Räumen nicht vor, seine Abbildungen zweiten, dritten und vierten Grades sind auch gereinigt von allen Text-Elementen, von Zahlen, von Logos, von allem, was den jeweils abgebildeten Dingen Konkretheit und Individualität verleihen könnte. Und doch geht es nicht um abstrakte Räume, um beliebige Zustände. Um deutsche Räume geht es stets in dieser Ausstellung, um deutsche Zustände.

Die Regierungsbank im Bundestag – Bonner Version – wird gezeigt, Sportbauten auch – Olympia-Stadion (Detail) und Sprungturm –, ein Raum nach Erstürmung eines Stasi-Gebäudes, die Badewanne, in der Uwe Barschel tot aufgefunden wurde, das (allerdings farblich verfremdete) Studio der populären TV-Rate-Sendung „Was bin ich?“, aber auch weniger prominente Orte, etwa die Schule, auf die der Künstler gegangen ist, deutsche Wohnwelten usw.usf. Alles bleibt der Ausstellung unkommentiert, ohne Bild-Titel, ohne Hinweise, ohne Kommentar. Zwar gibt es in Vitrinen Texte von Botho Strauß, doch sind die alles andere als herkömmliche Katalog-Erläuterungen. Sie unternehmen vielmehr den Versuch eines intermedialen Dialogs: Text reagiert auf Bild.

So schön einzelne Texte sein mögen (beileibe nicht alle, Straußens Tiefsinnelei kann auch ganz schön nerven), die Bilder brauchen sie nicht. Sie sprechen ihre eigene Sprache, die angesichts der klaren, einprägsamen Bildstruktur zunächst unmittelbare Verständlichkeit suggeriert, und sich dann doch stets  als vieldeutig und beziehungsreich, ja rätselhaft erweist.

Der Künstler hilft uns nicht beim Dechiffrieren. Er sagt nur: „Von meiner Seite werden Sie keine Handreichung bekommen, was der Betrachter denken soll, wenn er meine Bilder sieht.“ Von unserer auch nicht. Wir wollen lediglich festhalten, dass Thomas Demand bis zum 17. Januar in der Neuen Nationalgalerie am Berliner Kulturforum außergewöhnliche visuelle Anstöße zum Nachdenken über Deutschland gibt.

Eine Vortrags- und Diskussionsreihe zur Ausstellung gibt es auch. Sie trägt den schönen deutschen Titel: „How German is it?“ That is the question. Indeed.

Wer sich bereits vor dem Ausstellungsbesuch einen ersten Eindruck von dem verschaffen will, was ihn erwartet, dem bieten die unten noch einmal geschlossen zusammengestellten Links verschiedene Einstiegsmöglichkeiten an, von Demand-Bildern über Nationalgalerie-Links, einschließlich Rahmenprogramm, bis hin zu Ausstellungsrezensionen und Interviews in Text und Video:

Wikipedia Google Homepage der Ausstellung Rahmenprogramm Zeit Art-Kunst Magazin Interview mit „Die Presse“, Österreich youtube

Bild:flickr

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