Deutschlandpuls

So steht’s um Deutschland.

Deutschland – Leseland?

Das Wort vom Leseland war ein DDR-Slogan, über dessen Berechtigung hier nicht gestritten werden soll. Wenn das vereinte Deutschland als Leseland gelten können, dann gäbe es jedenfalls kaum ein schöner Land in dieser Zeit als das uns’re weit und breit. So weit sind wir aber noch nicht. Eine Studie der Stiftung Lesen befindet nämlich: „Die Deutschen finden Bücher lesen wichtig – tun es aber nicht.“

Die absoluten Nicht-Leser machen laut Stiftung Lesen ein Viertel der Bevölkerung aus, wobei die Männer mit 28 Prozent die Frauen (22 Prozent) deutlich „übertrumpfen“. Die Studie der Stiftung zum “Lesen in Deutschland” aus dem Jahr 2008 differenziert natürlich auch nach Alter, Bildungsniveau etc. Wir wollen hier nur drei wichtige Erkenntnisse herausgreifen, eine negative und zwei positive.

Das Negative zuerst: Ob der Begriff Leseland seit jeher ein Euphemismus war oder nicht – fest steht jedenfalls für die Stiftung Lesen, die auf Vergleichsuntersuchungen aus den Jahren 1992 und 2000 zurückgreifen kann, dass in den östlichen Bundesländern früher deutlich häufiger zum Buch gegriffen wurde als heute. Inzwischen haben sich die Werte zwischen West und Ost weitestgehend angeglichen. Polemisch formuliert: Unter diesem Aspekt betrachtet, erscheint die Wiedervereinigung als Einstieg in den kulturellen Abstieg. Dafür mag es Erklärungen geben, befriedigen kann es niemanden.

Positiv ist dagegen, dass sich das PISA-Jahr 2000 in gewisser Weise als Wendepunkt darstellt. Seither hat jedenfalls die Zahl der Nicht-Leser abgenommen und die der Viel-Leser zugenommen. Möge sich das so fortsetzen: vorwärts immer, rückwärts nimmer.

Besonders aufschlussreich ist aber der besondere Fokus, den die 2008er Studie auf Personen mit Migrationshintergrund gelegt hat. Die Presseerklärung resümiert die Ergebnisse so: „36 Prozent von ihnen lesen ein- oder mehrmals in der Woche und 11 Prozent sogar täglich. Damit greifen sie mindestens ebenso häufig zum Buch wie der Bevölkerungsdurchschnitt mit 36 Prozent wöchentlichen bzw. 8 Prozent täglichen Lesern. ‚Deutsch sprechende Migranten bilden eine neue ´Lese-Mittelschicht´ – mit großem bildungspolitischen Potenzial‘, lautet das Fazit von Andreas Storm, Parlamentarischer Staatssekretär für Bildung und Forschung: ‚Ihre Mitglieder sind wichtige Multiplikatoren, um bildungsferne Schichten zu erreichen. Und sie belegen, dass die Vermittlung von Sprachkompetenz der Schlüssel für erfolgreiche Leseförderung ist.‘“

Der Leseförderung dient eine Aktionswoche, die sog. Bibliothekswoche,  die der Deutsche Bibliotheksverband derzeit  (6. – 13. November) zum zweiten Mal veranstaltet. Sie hört auf den Namen  „Deutschland liest. Treffpunkt Bibliothek“ und steht unter Schirmherrschaft des Bundespräsidenten. Sie wird sicher nicht weniger Veranstaltungen durchführen als die 4.600, die es im letzten, dem ersten Jahr waren. Das umfängliche Programm weist eine breite territoriale Streuung auf und sieht Angebote für jedermann vor.

Noch wichtiger wäre es freilich, die erwähnten bildungsfernen Schichten dazu zu motivieren, dass sie ihre Kinder zwecks frühen Erwerbs von Sprach- und Sozialkompetenz in die Kitas schicken, anstatt  sie per Betreuungsprämie zum Gegenteil zu motivieren. Am Ende kämen wir auf diese Weise gar dem Ziel „Deutschland, einig Leseland“ ein Stückchen näher.

Links kompakt:

http://www.stiftunglesen.de

http://www.stiftunglesen.de/lesen-in-deutschland-2008/default.aspx (Von hier aus können die ganze Studie und die Presse-Erklärung abgerufen werden)

http://www.bibliotheksverband.de

http://www.treffpunkt-bibliothek.de/

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