Der selbstlesende Aufschwung
Denis Scheck stellt Bücher der Saison vor.
Wir leben in Krisenzeiten. Das kann niemand hinwegdiskutieren. Wohl aber kann und darf und soll man darauf hinweisen, dass auch in diesen Tagen nicht alles grau ist. Es gibt blühende Landschaften – und in unserem Fall tatsächlich im Osten der Republik.
Die Rede ist von der Buchmesse Leipzig (12. – 15. März 2009), eine Veranstaltung, der manche ein rasches Aus prophezeiten oder die Existenzberechtigung absprachen, weil es ja wohl ausreiche, wenn man bereits die weltgrößte Buchmesse im eigenen Land habe.
Leipzig ist aber durchaus eine Erfolgsgeschichte geworden. Mit 147.000 Besuchern wurde das bereits exzellente Vorjahresergebnis noch einmal um 14 Prozent übertroffen. Die Aussteller sind mit ihren Ergebnissen zufrieden und so gut wie alle, die dieses Jahr vertreten waren, haben bereits ihr Wiederkommen zugesagt.
Dieses Jahr hatte das elektronisches Lesegerät, auch E-Book genannt, seinen ersten großen öffentlichen Auftritt. Das ist schon ein Hit für sich – auch wenn die Perspektiven für die nähere Zukunft noch recht unsicher erscheinen. Großen Erfolg hatte an der Pleiße wiederum die Jugend- und die Comic-Sektion, und hier speziell die Unterabteilung Mangas. In dieser gab es etliche Preise zu gewinnen, für das beste Einzelblatt (nach Alter gestaffelt), für die beste Geschichte und sogar für das gelungenste Manga-Kostüm – was der Messe dem Vernehmen nach den Besuch einer ganzen Schar kreativ kostümierter junger Leute eingetragen hat. Das baut Schwellenangst ab. Klasse.
Stolz kann die Messeorganisation darauf verweisen, dass sie das größte Lesefest im Lande (und darüber hinaus) veranstaltet: immerhin 1900 Veranstaltungen, an denen sich mehr als 1.500 Autoren beteiligten. Leipzig ist zu dem Ort der Begegnung von Autoren mit ihren Lesern geworden. Eine erfolgreiche Fachmesse gewiss, vor allem aber eine Publikumsmesse.
Zu den guten Leipziger Ideen und Initiativen gehören die Party der jungen Verlage (zum zweiten Mal), die Lange Leipziger Lesenacht (zum vierten Mal), und die Verleihung des Prix des lycéens allemands, mit tatkräftiger Unterstützung der französischen Botschaft und des Ernst Klett Verlags (auch zum vierten Mal). Eine besonders glückliche Hand hatte man dieses Jahr sicher auch mit den Preisträgern für Belletristik (Sibylle Lewitscharoff: “Apostoloff”), für Sachbuch/ Essayistik (Herfried Münkler: “Die Deutschen und ihre Mythen”), mit dem Preis zur Europäischen Verständigung (Karl Schlögel: “Terror und Traum”), dem Übersetzer-Preis (Eike Schönfeld: “Humboldts Vermächtnis” von Saul Bellow) sowie, last but not least, dem Alfred-Kerr-Preis für Literaturkritik (Gregor Dotzauer). Alle diese Preise wurden in Leipzig verliehen, doch nicht alle sind offizielle Preise der Buchmesse. Deren Träger sind hier zusammengestellt.
Das Buch ist als Überlebensmittel gefragt, passionierte Buch-Halter haben eine Zukunft und man verzeichnet Zuwachszahlen fürs Buch in Zeiten der Krise – das alles ist mindestens so erfreulich wie Liebe in Zeiten der Cholera.
Auf Weiter- und Wiederlesen!
Weitere Infos:
- Der Lexikalische Überblick
- Die Welt zur Messe
- Die FAZ titelt – “Bücherland ist abgebrannt”
- Fazit der Community Comics in Leipzig
- (Update 17.3.2009) Leservorschlag: “Medienwandel: Die Digitalisierung erreicht das Buch“
Bild: Zeitfixierer
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Vielleicht ergänzend dazu hier kurz der Hinweis auf einen aktuellen Beitrag im Upload Magazin:
Medienwandel: Die Digitalisierung erreicht das Buch
http://upload-magazin.de/blog/2402-medienwandel-die-digitalisierung-erreicht-das-buch/