Deutschlandpuls

So steht’s um Deutschland.

Der fliegende Hollywoodianer

David Lynch kam, sah und kaufte. Woher, wohin, wen, was? Nun, nach Berlin kam er, aus Hollywood, sah den Teufelsberg und kaufte sich dort gleich ein. Anderen Berichten zufolge steht er noch in Kaufverhandlungen. Eine Universität für Transzendentale Meditation will er an diesem schönen Ort jedenfalls errichten. Die Berliner Super-Universität. Eines der Lehrfächer: yogisches Fliegen, also so etwas wie Ortswechsel (oder vornehmer gesagt: Translokation) mithilfe eines fliegenden Teppichs. Nur eben ohne Teppich. Genial. Genau das hat die Hauptstadt gebraucht, denn die Eröffnung der neuen Scientology-Zentrale liegt ja nun schon ein paar Monate zurück, die des Flughafens Schönefeld dagegen in weiter Ferne.

Auch die Devise, unter der das Ganze steht, ist hauptstadttauglich und aktualitätskompatibel: “Unbesiegbares Deutschland.” Goldrichtig im Jahr, in dem unser Land einen unerwarteten Aufschwung, vermutlich yogischen Ursprungs, erlebte. Aufschwung bei kräftiger Steuererhebung, das ist die ökonomische Analogie zur Aufhebung der Schwerkraft. Merkel und Lynch: die Trendsetter des Jahres, die, jeder auf seine Art, aber beide auf wundersame Weise, alle Gesetze von Wirtschaft und Wissenschaft außer Kraft setzen.

Irgendwie auch konsequent, dass Lynch sich den Teufelsberg (114 Meter über dem Meeresspiegel) ausgesucht hat, also den Berliner Himalaya, aufgeschüttet aus Ruinen. Gerade das Richtige für Techniken, die man sonst eher in Lhasa (3.600 m ü.d.M.) und Umgebung praktiziert. Außerdem üben am Teufelsberg schon seit Jahren die Drachen- und Gleitschirmsegler. Vielleicht kann man von denen ja Material ausleihen, wenn die Meditationskraft mal nachlässt, etwa nach dem Besuch eines endlosen Lynch-Films.

In seiner neuen location wird der ansonsten reichlich düstere, erdenschwere, wenn nicht gar unterirdische Zeichner, Maler, Fotograf und Regisseur endlich mal auf der Höhe sein, fast schon im lichten Himmel über Berlin, in dem es ja, wie wir dank seines Kollegen Wim Wenders wissen, nur so von Engeln wimmelt. Doch werden die auch von ganz oben Landegenehmigung erhalten, ausgerechnet auf dem Teufelsberg? Fraglich ist zudem, ob der unkonventionelle yogische Flugbetrieb von einem Senat genehmigt wird, für den seltsamerweise jetzt schon gilt: Du sollst nur einen Flughafen haben (eben Schönefeld) und keinen anderen außer ihm. Sollte das alles aber in Ordnung gehen, dann sind wir gerettet und es geht endlich unaufhaltsam yogwärts mit uns Unbesiegbaren…,

…meint Glossix.

Foto: Atso Suopanki (c) flickr.com

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1 Kommentar

  1. Der Beitrag hat sogar einen Link aus dem weihnachtlichen Finnland.

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