Anything goes?
Gut, man ist inzwischen an sie gewöhnt, in der Politik- und Medienlandschaft: an überraschende Verbindungen und die damit verbundene Unübersichtlichkeit. Gut, seit ein paar Monaten prangen vor dem Gebäude des Springer-Verlags an ein und demselben Pfahl die Schilder Axel-Springer- und Rudi-Dutschke-Straße, und die taz residiert schon seit langem nur ein paar Steinwürfe von da entfernt.
Aber diese Meldung der letzten Woche holt einen dann doch vom Hocker: BILD-Chefredakteur Kai Diekmann erwirbt Genossenschaftsanteile an der taz. Das ist ungefähr so, als würde der Papst mit Madonna auf dem Wiener Opernball gesichtet, und das womöglich in Gesellschaft von Peer Steinbrück in Begleitung der Stellvertretenden Vorsitzenden des Schweizer Bundesrats sowie des Paars Westerwelle-Künast, während Oskar Lafontaine sich am Dekolleté der Kanzlerin zu schaffen macht und der polnische Staatschef Kaczynski mit Wodka und Klaus Wowereit auf bruderszaft (kein Tippfehler!) anstößt.
Doch lassen wir uns nicht täuschen: Genosse Diekmanns BILD ist derzeit Sponsor einer Ausstellung über deutsche Kunst seit 1949, die „Kunst” aus der DDR so in Anführungszeichen setzt wie das Axel Springer mit dem Staat gemacht hat, und das heißt in diesem Fall: sie, diese Kunst, wird im Berliner Martin-Gropius-Bau einfach nicht gezeigt – also alles beim Alten. Und das ist auch andernorts so: Die FDP ist und bleibt die Partei der Besserverdienenden, die Linke redet und agiert so antieuropäisch wie eh und je, die SPD ist immer noch bereit, viel Geld in bestenfalls kurzfristig wirksame Programme zu stecken, die Grünen pflegen weiterhin und durchaus selbstbewusst ihre Streitkultur, während die Kanzlerin weiterhin auf Sicht navigiert – nicht ungeschickt, aber perspektivlos.
Die Unübersichtlichkeit mag immer mehr zunehmen, die Unterscheidbarkeit von Parteien wie von Zeitungen ist trotzdem weiterhin gegeben. Wir können immer noch das kleinere Übel wählen – und es ist kein kleines Privileg, diese Wahl zu haben, und das nicht zu selten in nächster Zeit! Genauer hinschauen als früher müssen wir allerdings schon,
meint Glossix.

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