Ackermann im Spiegel
Das Nachrichtenmagazin DER SPIEGEL (10/2008) hat Deutschlands umstrittensten aber auch erfolgreichsten Manager, Josef Ackermann (60, eigtl. Schweizer), interviewt. Auch wenn schon eine Woche alt, so enthält das Interview doch ein paar bemerkenswerte Aussagen und Stellungnamen des Deutsche-Bank-Chefs, welche hier kurz im Originalwortlaut und unkommentiert aufgelistet werden:
Gerechtigkeit: Den Armen und Schwachen zu helfen ist ein Gebot der Mitmenschlichkeit. Gerechtigkeit ist aber vor allem Chancengleichheit und Leistungsgerechtigkeit, nicht Gleichheit im Ergebnis. Neue Arbeitsplätze sind das beste Programm für mehr Gerechtigkeit.
Managergehälter: Und damit möglichst viel erarbeitet, also der zu verteilende Kuchen möglichst groß wird, muss sich Leistung lohnen – und zwar netto. Mehr als die Hälfte der Einkommensteuer hierzulande kommt von den zehn Prozent Spitzenverdienern.
Deutschland: Draußen in der Welt, besonders in den Boom-Regionen Asiens und des Nahen Ostens, haben wir einen so guten Ruf wie nie zuvor.
Günter Grass: Und dann gibt es da auch noch Dichter und Denker, die sich trotz teilweise zweifelhafter Vergangenheit zum Moralapostel aufschwingen und Manager reihum von “A bis Z” zu “Asozialen” erklären. Woher nimmt dieser Herr eigentlich das Recht, über andere Menschen, die er gar nicht kennt, so zu urteilen?
Oskar Lafontaine: Jüngst habe ich ein Foto von Oskar Lafontaines Villa gesehen: Der lebt wesentlich prunkvoller als ich. Wird dem je vorgehalten, dass er sich vom normalen Leben entfernt hat?
Das ganze Interview gibt es bei Spiegel-Online: “Wir sind doch keine Unmenschen“.
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Der Zufall spielte mir soeben eine SPIEGEL-Ausgabe (4/2007) mit einem Ackermann-Interview aus dem vergangenen Jahr in die Hände: “Die Risiken sind breit gestreut”. Hier einige Auszüge, die mit dem ersten Teil gut korrespondieren.
Managergehälter: Erlebe ich Armut? Kann ich schlimme Verhältnisse aus eigenem Erleben nachempfinden? Da muss ich ehrlicherweise sagen: nein. Das heißt aber natürlich nicht, dass ich mich nicht mit diesen Problemen auseinandersetze und versuche, sie nachzuempfinden.
Realitätsverlust: Ich lese diese Umfragewerte natürlich auch. Aber im täglichen Kontakt erlebe ich das nicht so. Mir gegenüber sind eigentlich alle außerordentlich zuvorkommend … Immer wenn ich Menschen persönlich treffe, sagen sie: Sie sind ja ganz anders.
Mannesmann-Prozess: Die Möglichkeit zu haben, Leistungen auch im Nachhinein zu honorieren – wie wir das im Fall Mannesmann gemacht haben -, ist in einer marktwirtschaftlichen Ordnung sehr wichtig.
freies Thema: Wichtig ist, dass die Gesellschaft offen ist. Wir müssen doch die besten Talente nach Deutschland holen und die eigenen im Lande behalten … Wichtig ist, dass jeder die gleichen Chancen bekommt.


Managergehälter, Raffke & Co. In diesem Zusammenhang wurde gestern Abend bei Beckmann glücklicherweise endlich! mal ein wirklich neuer Aspekt dieser Moraldebatte angesprochen. Das nämlich die Mitnahme und Selbstbedienungsmentalität sich nicht nur auf überbezahlte Manager bezieht, sonder dass alle Einkommensschichten gerne tricksen wo sie können. Als Beispiel der “Bekannte”, der aus reiner Gefälligkeit auch ohne Rechnung aushilft, oder die Putzfrau, die wie immer aus dem Nachtschränkchen bezahlt wird.
Gewohnt treffsicher hat Reinhold B. diese Klippe sofort wieder umschifft indem er seinen Talkgast Thea Dorn plumb unterbrach, um dann den immergleichen Frage- vorgefertigte Antwort-Trott der Medienmaschienerie nach “Gut” gegen “Böse” weiter zu befriedigen.
@ Alfons: Bezugnehmend auf deine treffenden Ausführungen möchte ich mich hier selbst zitieren:
“Wer vom allgemeinen Wahnsinn nicht angesteckt ist, wird für verrückt erklärt.”